Ich habe eins gelernt
Geschrieben von Werner am 12. Juli 2026 02:32:22:
Als Antwort auf: Wow, welch eine Odyssee geschrieben von waldi am 11. Juli 2026 23:18:01:
Wenn man sowas machen will, muß man die Leute dafür begeistern - und vor allem die richtigen Leute. Früher habe ich den Fehler gemacht und versucht, Leute für meine Projekte zu gewinnen, die dem gar nichts abgewinnen konnten. Sie haben sich dann irgendwann genervt abgewendet.
Aber wenn man einen trifft, der sagt, "Oh, das ist ja mal interessant." Dann muß man aktiv werden und darf denjenigen auch nicht enttäuschen.
Apropos Odyssee, die gibt es so viele, wie es Flugzeugbauprojekte gibt, aber Du kennst ja auch was davon, wenn Dinge sich einem in den Weg stellen, aber man verbissen weiter dran arbeitet.
Es gibt einen ziemlich guten Selbstbauflieger, designed in USA, aber mit großem Führerschein, also Zulassung als Sportflugzeug mit allen Schwierigkeiten. Diese Maschine ist aus Holz und in der Konstruktionsvorschrift steht, dass der Hauptholm durchgehend sein muß und nicht geschäftet werden darf. Auch wenn Schäftungen richtig ausgeführt genau so stabil sein können, wie das Grundholz . . . . Vorschrift ist Vorschrift und das erste, was der Prüfer an der noch unbespannten Tragfläche schaut, ist, ob der Holm auch in einem durch geht.
So, und jetzt finde mal ein Stück Holz aus irgendso einem Spezialbaum, was über 9 Meter lang ist. Hier in Deutschland keine Chance, hier wächst so was auch nicht. Der Mann, der die Karre hier gebaut hat, wußte das beim Kauf der Konstruktionspläne nicht.
Er hat dann nach ewiger Suche in Brasilien ein Sägewerk aufgetan, die sowas machen konnten. Er hat bezahlt, mehrere tausend Euro, aber der Stamm ist nie angekommen. Dann ist er selbst los und hat das gleiche nochmal bestellt, ist quasi auf dem Holz sitzen geblieben, bis er wieder zuhause war. Flugzeug ging nicht, alles per Schiff, angeblich war die erste Sendung auch bis zum Schiff gekommen, dann wußte keiner mehr. Gericht und Anwalt, Fehlanzeige, das Geld war futsch.
Vor Ort konnte er allerdings mit den Leuten vom Sägewerk sprechen, dass sie ihm schon mal die Grobabmessungen machen. Er hat dafür extra etwas portugisisch gelernt und hat es nicht an reichlich Trinkgeld fehlen lassen. Auch in den Häfen mußte der Kran was extra kriegen, damit sich was bewegt. Schlußendlich ist der Typ Kohle losgeworden in Höhe eines guten Mittelklassewagens, aber er hat weiter gemacht und schließlich seinen Flieger auch zugelassen bekommen.
Das ist aber nur eine Story von ganz vielen. Dagegen sind meine Abenteuer eher was fürs dritte Programm.
Gruß
Werner